Axiome des NLP – die Landkarte ist nicht das Gebiet.

Axiome des NLP – die Landkarte ist nicht das Gebiet.

Vielleicht hast Du in der Vergangenheit im Zuge Deines Interesses an NLP bereits von diesem Axiom, dieser Grundannahme, gehört oder gelesen. Der ursprünglich von Alfred Korzybski formulierte Satz

the map is not the territory

ist einer von den Axiomen, den Du sicherlich in jeder “Axiom Sammlung” auf jeder NLP Seite und in jedem NLP Buch wiederfindest. Man könnte daher also annehmen, er sei einer der Wichtigeren. Wir wollen an dieser Stelle aber nicht darüber mutmaßen, was eher wichtig und was eher unwichtig ist. Wir wollen Dir vielmehr mitteilen, was wir über Landkarten und Gebiete denken…

Kennst Du naive Realisten? Menschen, die glauben, dass die Welt so ist wie sie diese sehen. Menschen, die glauben, dass sie das Rechthaben gepachtet haben. Die ganz intensiv in ihren Mustern leben, “weil man es eben so macht” oder “weil man das eben so nicht machen kann”.

Stell Dir mal folgende Situation vor: Du lebst irgendwann 1000 vor Christus, also vor ziemlich langer Zeit. Und Du hättest Dich damals auf einen kleinen Hügel gestellt und laut gerufen: “die Erde ist rund!!!” Dies hättest Du wahrscheinlich genau 30 Sekunden lang gemacht, um dann gevierteilt und dann den Löwen oder anderen possierlichen Tierchen zum Fraße vorgeworfen zu werden. Blöd, weil recht endgültig.

Doch wie kommt es dazu, dass die Menschen um Dich herum diese merkwürdige Reaktion zeigen? Nun, recht einfach. In ihrer Wahrnehmung ist die Welt eben nun mal (noch) eine Scheibe. Diese Wahrnehmung, ihre Sicht auf die Welt, ist geprägt von Erfahrungen, Lehren (die damals diesbezüglich wohl eher Leeren waren), Glaubenssätzen und und und. Und diese Sicht auf die Welt nennen wir einfach mal Landkarte.

Eine Landkarte, die die vielen Bereiche des Lebens abzeichnet. Die uns sagt, wie wir denken und fühlen, wie wir auf Geschehnisse reagieren und eben auch, ob wir glauben, dass die Erde rund oder flach ist.

Das seltsame ist doch nur, jeder hat eine andere Sichtweise auf die Welt. Denn jeder von uns macht andere Erfahrungen. Genießt eine andere Erziehung. Entwickelt andere Glaubenssätze. Und schwört, dass seine Sicht auf die Welt die richtige sein muss und jeder, der anders denkt und spricht, völligen Käse erzählt. Das kann man natürlich so machen, dann ist es eben… genau, weniger gut. Denn wie oft würden wir anhand unserer unterschiedlichen Ansichten / Landkarten aneinander geraten und in Streit kommen.

Ich hab Recht! Nein, ich hab Recht. Wie anstrengend… Und wie wenig zielführend. Stell Dir vor, die Menschen wären damals beharrlich bei ihrer Sichtweise der flachen Erde geblieben. Unvorstellbar!

Ok, lass uns zusammenfassen. Jeder hat seine eigene Sichtweise, seine eigene Landkarte. Und wenn jeder seine ganz eigene hat, die sich mehr oder weniger immer von der der anderen Menschen unterscheidet, dann kann eben diese Landkarte NICHT das Gebiet sein. Denn dieses tatsächliche Gebiet gibt es nun mal nur – genau! – einmal.

Und somit kommen wir vom naiven Realisten (“die Welt ist so wie ich sie sehe!”) hin zum NLP Konstruktivisten. Autsch, was bedeutet das denn nun?

Im NLP gehen wir davon aus, dass wir die Welt mit unseren Sinnen wahrnehmen. Wir sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen. Und ganz ehrlich, davon gehen übrigens auch andere Lehren aus, so spooky sind wir also gar nicht. Und mit all dem, was wir wahrnehmen (übrigens, schon mal über die Bedeutung dieses Wortes nachgedacht? Wir nehmen etwas für wahr… weil wir glauben, dass es wahr ist?), setzt sich in unseren Gedanken etwas zusammen.

Etwas, was für uns die Welt darstellt. Wir greifen also auf unsere Sinneseindrücke zurück, ergänzen diese durch unsere Erfahrungen, Einstellungen, Werte etc pp. – und bilden oder besser: konstruieren uns daraus unser Abbild der Welt. Wir erstellen uns unsere Landkarte und jeder macht dieses anders.

So weit, so gut, wirst Du nun vielleicht denken. Und was ist daran nun so erwähnenswert? Für mich sind es mindestens zwei Punkte, die es hier wert sind, erwähnt zu werden.

Zum einen die Erkenntnis, dass eine Landkarte niemals das Gebiet sein kann. Dazu eine kleine Geschichte, die aktuell intensiv auf Facebook geteilt wird:

Im Fach Sozialwissenschaften hielt unser Professor heute ein schwarzes Buch hoch und sagte: “Dieses Buch ist rot!”. Die ganze Klasse protestierte einstimming und rief: “Nein!”. 

Der Professor seinerseits beharrte darauf und sagte: “Doch, ist es!”. Unr wir wiederholten: “Das ist nicht richtig!”. Er drehte das Buch um- und die Rückseite war rot! 

Der Professor blickte in unsere beschämten Gesichter und meinte: “Sage niemals jemanden, er liege falsch, solange du die Dinge nicht aus seiner Perspektive gesehen hast!”

Wer hatte also Recht? Keiner. Und alle. Für mich formuliere ich das NLP Axiom “die Landkarte ist nicht das Gebiet” gerne ein wenig anders – nämlich “meine Landkarte ist nicht das Gebiet!”. Und somit erschaffe ich mir genau die Ressource und die Fähigkeit, die Landkarten der anderen Menschen für ebenso wertvoll zu halten. Dieses Denken öffnet mit Horizonte, macht mich frei für andere Meinungen, neue Erfahrungen, neues Denken und somit neues Fühlen. Das ist ziemlich spannend. Vor allem für einen Ostwestfalen, wie ich es bin. Einen, der mit dem Satz “Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich…” aufgewachsen ist.

Ok, könntest Du nun denken. Open minded sein, lautet die Devise. Ja, auch. Aber nicht nur. Denn nun lass uns noch einen Schritt weitergehen:

Lass uns mal einen Moment lang ein Szenario erschaffen:

Mitte Juli, Dienstag, 32 Grad, tiefblauer Himmel. Das sind die Fakten. Fakten, die messbar sind. Ein Thermometer für die Temperatur. Ein Kalender für den Tag. Gesunde Augen für den blauen und wolkenlosen Himmel.

Dazu habe ich heute kein Seminar, keinen Workshop, kein Coaching. Aber ich “muss” einen Blogbeitrag schreiben, denn das mache ich immer Dienstags. Ja ja, einfach mal angenommen, nagele mich nicht drauf fest…

Jetzt könnte ich mir denken: Scheisse! Das schlechteste Wetter, um diesen mistigen Blogquatsch zamzuschreiben. Ich werde schwitzen, die Sonne scheint durch die Lamellen des Rollos im Rollo und blendet mich, konzentrieren werde ich mich eh nicht können und das Ergebnis wird der größte Witz des Jahres werden. Wieso ist es nicht wenigstens etwas kühler, bei der letzten Hitzewelle hab ich schon mal einen Beitrag völlig verhauen! 

Ich könnte aber auch denken: yes, was geiles Wetter! Nun packe ich meine Tasche und das iPad ein, radle schnell ins Freibad und suche mir eine ruhige Ecke. Dann ein akkurates Spaghetti Eis und ein sonniges Blogthema, dann habe ich heute Abend den burner zusammengeschrieben, denn ich erinnere mich, dass im letzten Jahr der meistgelikte Beitrag auch im Sommer war!

Jetzt sage Du mir bitte, welche Landkarte der aktuellen Situation ist die zielführendere? Ok, meine Antwort ist eindeutig die zweite. Aber was ist da geschehen? Wir selbst sind verantwortlich für unsere Landkarten. Wir selbst erschaffen uns unsere Sicht der Dinge ständig selbst. Und wie oft erwischen wir uns dabei, dass die Sicht, das Denken, das Fühlen eher für schlechte Laune sorgt?

Sei ehrlich, hast Du jemals in einer vielleicht ähnlichen Situation in der Vergangenheit mal eine Landkarte hergenommen, die der roten ähnelte? Hättest Du nicht auch eine grüne hernehmen können? Wie viel schöner wäre Dein Tag verlaufen.

Sei Dir bewusst, nur Du bist verantwortlich für Deine Landkarten. Die Parameter dafür sind Deine Entscheidung. Deine Landkarte ist kein starres Konstrukt, sondern variabel. Stell Sie Dir vor wie google maps. Du kannst zoomen. Rein. Raus. Die Ansicht verändern. Mal geographisch, mal Satellit.

Übrigens, keine Landkarte ist per se schlecht oder gut. Manche Landkarten sind einfach nur zielführender als andere. Dein Job ist ein ganz einfacher: hinterfrag Dich einfach, ob die Landkarten, die dich durch Dein Leben führen, immer die Optimalen sind – oder ob manchmal nicht doch eine andere den zielführenderen Maßstab mit sich bringt.

NLP beschäftigt sich mit der Veränderung und somit mit der Flexibilität Deiner Landkarten. Damit Du öfter die grüne und seltener die rote hernimmst. Wie sehr würdest Du genau das begrüßen? Stell Dir jetzt oder später ganz einfach diese Frage. Und wenn Du dann denkst, dass ab und zu die ein oder andere grüne Karte ziemlich cool wäre, dann kann NLP genau das Richtige für Dich sein.

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